Wie ein DNA Test meine Leben veränderte

Wie ein DNA Test meine Leben veränderte

Ich hab es schon lange satt! „Mach das beste draus!“ und „Carpe Diem!“ sagen sie, mit besorgter bemitleidender Mine. Ich möchte Ihnen das Mitleid gerne aus dem Gesicht schlagen, so sehr habe ich es satt! Doch das geht nicht, ich kann es nicht! Ich würde mich glatt selbst verprügeln bei dem Versuch. Auch die Sitte verbietet es mir, immerhin ist mein Sohn Vascos und meine Frau Maldita da. Mit dem Motto „Einer für alle und alle für einen“ sind sie zu mir gekommen. Ins Krankenhaus. Ginge es nach mir lautete das Motto „Startschuss Richtung Etappenziel“. Sarkasmus war schon immer einer meiner besten Eigenschaften. Kein Wunder, dass ausgerechnet ich, „fast Dr.“ Lionel Savani, an Chorea Huntington erkrankte. Ich hätte nie ein Kind gezeugt, hätte ich gewusst, dass ich dieses Gen in mir Trage, Einen DNA Test gab es damals noch nicht.

Auch mein Arzt, Dr. Armand Dechamps, dessen französischer Akzent mich immer wieder zum Schmunzeln bringt, kündigte mir eine wichtige Nachricht an. „Na da bin ich mal gespannt, arg viel schlimmer kann es ja nicht werden!“ dachte ich mir, „Immerhin liegt meine Lebenserwartung, sowie die meines Kindes, bei 30 – 40 Jahren.“ Ich hatte seit der Diagnose also gute 3 Jahre Zeit, mein Leben zu Leben, wie ich es wollte. Und das tat ich. Urlaub hier, Party da, Geld gegen die Sorgen, gegen die Angst! Davon hatte ich genug geerbt! Doch es gab nicht einen Tag, an dem ich vergaß was da in mir lauert. Dieses Monster, dieses DING, dass ich nicht sehen kann. Dasselbe, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, auch ohne DNA Test, mein Sohn in sich trägt.

Gleich kommt der Doktor, dann wird Happy Birthday gesungen und gelacht und Kuchen gegessen. Ich will aber nicht lachen, und schon gar kein Kuchen, ich hasse Kuchen. Und der Kuchen hasst mich zurück!

Ich höre die alte Holztür knarzen, als sie sich nur ein Spalt weit öffnet und Dr. Dechamps vorsichtig seinen Kopf durchschiebt. „Sind sie bereit Herr Savani?“ fragt er. „Allzeit bereit Dr.“, entgegne ich grinsend. Er holte ein Papier aus meinem Patientenblatt, dass er stets bei sich trug und begann daraus vorzulesen. „Vaterschaftstest zwischen Herr Lionel Savani, und Vasco Savani. Nach eingehender Tests und Untersuchung des zugesandten Genmaterials, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass oben genannter Testteilnehmer der Erzeuger ist bei 0,001%. Ich begann zu schwitzen und meine Kehle wurde trocken. Alle schauten mich an,ich wusste nicht, wer diesen Vaterschaftstest veranlasste, geschweigedem, ob ich lachen, oder weinen sollte…