Ein Küchenmaschinen – Verkäufer erzählt

Astrid Lindgren hat ihre Heldin Pipi Langstrumpf häufiger sagen lassen dass man sich viel anhören muss, ehe einem die Ohren abfallen. Eine Aussage, die ich nur voll und ganz bestätigen kann.

Ich bin Fachverkäufer für KüchengeräteEine aussterbende Spezies. Heute werden Küchenmaschinen oftmals online wie zum Beispiel bei www.novissa.ch gekauft. Wer bei mir eine Küchenmaschine kauft, bekommt eine Beratung mit allem drum und dran. Nicht wie bei meinem Kollegen in der Abteilung nebenan, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat und einem frisch verheirateten Ehepaar einen halbstündigen Vortrag über ein Gerät hielt, das eine Waschmaschine sein sollte und sich hinterher als Trockner herausstellte.

Wie auch immer. Ich bin, wie gesagt, als Fachverkäufer für Küchengeräte eine aussterbende Spezies. Das liegt daran, dass mein Gehalt naturgemäß über dem eines Minijobbers oder einer studentischen Aushilfe liegt. Für Qualität muss man halt bezahlen. Das gilt für Fachpersonal genauso wie beim Kauf einer Küchenmaschine. Du bekommst, wofür du bezahlst. Aber das werden Controller nie begreifen. Die sehen nur Zahlen und stellen lieber drei Unkundige ein, als einen der Ahnung hat. Hinterher jammern sie über sinkende Umsätze und beklagen die Abwanderung der Kundschaft.Ja genau, die Kundschaft. Egal, welche Küchenmaschine sie kaufen wollen. Sie soll möglichst nichts kosten, aber alles können. Die Ausstattung eines Luxusmodells für den Preis der billigsten Version. Das Theater, das manche dabei veranstalten, wäre manchmal wirklich zum Lachen, wenn es mir nicht auf die Nerven gehen würde. Die ständigen Bemerkungen wie teuer die Küchengeräte seien, die ich anbiete, wären ja noch auszuhalten. Was mich wirklich stört, ist die Art und Weise, wie dabei mit mir geredet wird. Wenn es mir zu bunt wird, sage ich der betreffenden Person dann schon mal, dass ich hier zwar arbeite, um sie zu bedienen, aber deswegen noch lange nicht ihr persönlicher Diener bin. Das wirkt überraschend gut. Zuerst schauen die meisten Leute völlig pikiert, aber dann nehmen sie sich tatsächlich zurück. Vielen scheint es erst dann bewusst zu werden, dass sie zu weit gegangen sind, wenn sie Widerstand spüren. Mit etwas Abstand betrachtet, kann ich ihnen nicht einmal verübeln, dass sie sich gegenüber Verkäufern wie mir unangemessen benehmen. Wer ständig zu hören bekommt, dass er als Kunde König ist, führt sich irgendwann auch wie ein Alleinherrscher auf.Daher zum Schluss ein Appell: egal ob ihr eine Küchenmaschiene, ein irgendwelche Küchengeräte oder etwas völlig anderes kauft. Seid freundlich zum Personal. Und denkt daran: die Angestellten in den Läden sind zwar dafür da, um euch zu bedienen, aber deswegen noch lange nicht euer persönlicher Diener.